Elmiger Architekten | Genève

Genève

Objekt: I + O
Kurzinfo: Erweiterung Bürogebäude
Ort: Genève
Bauherrschaft: Bundesamt für Bauten und Logistik
Realisation: Wettbewerb 2010

 
Das Erweiterungskonzept beruht darauf, hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen und einen Mehrwert der Gesamtanlage zu generieren.

Die Entwurfsstrategie orientiert sich an Strukturen wieAlhambra oder Heiligen Kirche, bei welchen durch die Addition von Gebäuden, unterschiedlichen Bedürfnissen und Anforderungen auf angemessene Weise Rechnung getragen wird. Die Verschiedenartigkeit der einzelnen Komponenten bereichert das Gesamtensemble und unterstützt die räumlichen Erfahrungen.

Das bestehende Bürogebäude (I) wird durch die Addition eines Hoftypus (O) zur Avenue Edmond Vaucher hin erweitert. Während (I) wie gehabt 1000 Arbeitsplätze beherbergt, vermittelt die neue Erweiterung, neben der Schaffung von 420 hochwertigen Arbeitsplätzen, durch die niedrige Höhe zum Kontext und schafft eine neue Adresse zur Avenue Edmond Vaucher.

Das freie Erdgeschoss kreeiert eine starke Identität, formuliert einen attraktiven Eingang und Treffpunkt für die Angestellten und erweitert den Park des Franchises mit einer neuen Qualität, eines unabhängigen Wegnetzes mit Wasserbecken, Steingärten und Grasflächen. Somit bleibt der Westeingang zum Park adäquat erhalten.

Durch die eindeutige Erschliessungssituation wird eine gute Orientierung und Übersicht in der Gesamten Anlage erreicht. Die Treppen und die Kopierzonen strukturieren den Grundriss und laden mit attraktiven Ausblicken zum Hof- und Aussenraum als Treffpunkte und Verweilorte ein. Sie bringen neben den transparenten Bürotrennwänden zusätzliches Licht in die Korridorzone.

Die geringe Büroraumtiefe schafft ausschliesslich hochwertige Fensterarbeitsplätze, bei denen jeder Mitarbeiter den Sonnenschutz seinen eigenen Bedürfnissen anpassen kann. Ebenfalls wird dadurch eine Mitarbeiterzirkulation im Rücken ausgeschlossen. Somit werden kompromisslos nur ideale Bedingungen für alle Mitarbeiter geschaffen.

Der Dachgarten oder Socratesgarten lädt zum ausspannen und denken ein. Im Sommer, Treff- und Arbeitspunkt Nr.1 werden Besprechungen im Freien geführt, flanierend oder sitzend.

Die Lastabtragung orientiert sich an Bauwerken, wie die Pont Du Gard in Nimes, um eine Effizienzsteigerung der Tragstruktur zu generieren. Die Form des Tragwerks ermöglicht eine reine Druckabtragung, seitliche Schubkräfte werden über die Bodenplatten aufgenommen.

Die Lastabragung über Bögen generiert ein sehr effizientes Tragwerk. Durch die Querbögen in den Bürogeschossen werden Spannweiten der Geschossplatten um die 5.5m erreicht. Dies ermöglicht eine Optimierung der Dimensionierung der Geschossplatten.

Die Fassadenkonstruktion besteht aus zweischaligem nicht armiertem Leichtbeton (z.B. Misapor KDS). Der Betonmischung wird Altglas beigemischt, was sich auf die Wärmeleitfähigkeit und das spezifische Gewicht positiv auswirkt. Durch das geringe Gewicht der Betonmischung kann die Dämmung EPS in der Schalung vormontiert werden. So kann die Konstruktion in einem Arbeitsgang betoniert werden.

Durch die Einsparung der Armierung kostet die zweischalige Aussenwandkonstruktion in der Erstellung inklusive der Dämmung Fr. 400.-/m2. Bei einem Eisenpreis von 4 Franken pro Kilo resultiert dadurch eine Kostenersparnis von Fr. 600’000.-.

Da der Armierungsgrad von Stahlbeton einen grossen Einfluss auf die Herstellungsenergie hat, wirkt sich diese Einsparnis (428MJ/m2) positiv auf die graue Energie des Gebäudes aus. Für die zweischalige Massivbauweise errechnen wir einen Energiebedarf von 650MJ/m2. Das heisst, wir erreichen Werte, die normalerweise nur Leichtbaukonstruktionen (660MJ/m2) vorenthalten sind.

Für die Wärmeerzeugung ist eine Grundwasser- oder Erdsondenwärmepumpe vorgesehen (hydrogeologische Abhängigkeit).

Die erforderliche kontrollierte Raumlüftung gemäss Standard MINERGIE-P-ECO® wird mit einer zentralen Luftaufbereitungsanlage mit hohem Wärmerückgewinnungsgrad im Dachgeschoss des Gebäudes gewährleistet.

Die Luftverteilung erfolgt über vertikale Erschliessungen auf die jeweiligen Etagen. Die horizontale Luftverteilung erfolgt in der heruntergehängten Decke im Korridorbereich. Die Belüftung der einzelnen Räume erfolgt über ein Mischluftsystem.

Für eine höhere Behaglichkeit im Sommer ist eine Nachtauskühlung über das Lüftungssystem vorgesehen.

Aktivkühlung der Zuluft am Tag und in der Nacht mit Grundwasser oder Erdsonde (Energiequelle = Kühlquelle) ohne zusätzlichem Energieaufwand.

Zielwert Luftvolumenstrom gemäss Richtlinie SWKI 95-3:   36 m3/h pro Person

Für Temperaturgarantien im Sommer könnten zusätzlich aktive Kühlelemente (kombinierte Kühl- und Akustikelemente) eingesetzt werden. Die Teilklimatisierung kann ebenfalls ohne zusätzlichen Energieaufwand mittels der Energiequelle Grundwasser oder Erdreich erfolgen.

Auf dem Dach des bestehenden Gebäudes ist die Nutzung von Sonnenenergie mittels Photovoltaik vorgesehen. Mit der Eigenstromproduktion kann der Primärenergieeinsatz (Wärmepumpe, Licht, Kraft, etc.) zusätzlich mit erneuerbarer Energie kompensiert werden.

Elmiger Tschuppert Architekten